Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)

Aus der Geschichte des Heimatvereins Datterode e. V.

Beitragsseiten
Aus der Geschichte des Heimatvereins Datterode e. V.
Aus der Geschichte des Heimatvereins Datterode e. V. 2
Aus der Geschichte des Heimatvereins Datterode e. V. 3
Alle Seiten

Als Vorläufer des heutigen HVD kann der Fremdenverkehrsverein, Ortsgruppe Datterode, des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Eschwege (Nachweis 04.02.1955), bezeichnet werden, der sich sodann Heimat- und Fremdenverkehrsverein Datterode nannte, mit über 50 Mitgliedern. Aufgrund einer Besprechung im Bürgermeisteramt Datterode (in der „alten“ Schule) am 15.12.1958 sollte dann der Heimatverein Datterode gegründet werden.

Gründungsversammlung war am 18. Januar 1959 im Rahmen eines Heimatabends in der seinerzeitigen Turnhalle als Heimatverein Datterode. Die 19 Gründungsmitglieder sind: Pfr. Martin Dippel, Bürgermeister Hans Mengel, Friedrich Beck, Konrad Küch, Karl Niebergall, Oskar Wieditz, Lehrer Karl Lamprecht, Georg Kümmel, Karl Köbrich, Lehrer Franz Knier, Gemeinderechner Georg Beck, Heinrich Küch, Georg Rogalsky, Martin Rimbach, Willy Eifler, August Neusüß, Reinhard Wolf, Karl Wolf und Heinrich Schmidt. Als 1. Vorsitzender wird Friedrich Beck gewählt. Lehrer und Pfarrer sind wie selbstverständlich dabei; teils mit Vorstands- oder Beisitzerfunktionen.


Erster Vorsitzender: Friedrich („Fritz“) Beck (+)

Einigendes Ziel aller war, das Dorfbild merkbar zu verschönern. Daraus ergab sich, das Dorf als Fremdenverkehrsgemeinde zu etablieren. 1959 erfolgt noch die Umbenennung in Heimat- und Verkehrsverein.


Der MGV Liederkranz Datterode e. V. singt während eines Heimatabends auf der
Bühne der seinerzeitigen Turnhalle




„Gründungsurkunde“ vom 18. Januar 1959

1960 hat der Verein bereits rund 60 Mitglieder. Ein Heimatabend am 20. Februar in der Turnhalle sorgt für Enthusiasmus.


Werra-Post 23.Februar 1960

Im Jahr 1960 wird – auch zur Erweiterung des Fremdenverkehrsangebotes – durch die Gemeinde Datterode unter tatkräftiger Mitwirkung des HVD bei Planung und Bau der Aussichtsturm („Berliner Turm“) gebaut (Aussichtsturml).


Einweihung des Aussichtsturmes („Berliner Turm“) am 31. Juli 1960

Interessant, dass im Jahr 1960 die Kollekte anlässlich des Volkstrauertaggottesdienstes am Ehrenmal dem Heimatverein zugute kommt. 1961 zählt der Verein 72 Mitglieder, Bürgermeister Hans Mengel wird zum Vorsitzenden gewählt.


Hans Mengel (+)

Am 15. April 1961 wird ein Dorfabend, wiederum in der Turnhalle veranstaltet. Hier das Programm:

 

1964 folgt Konrad Hartmann Hans Mengel als Vorsitzender. In diesem Jahr zählt man bereits 4300 Übernachtungen von Feriengästen in Datterode.


Werra-Rundschau 1963 – die im Artikel erwähnte Veronika Wesch ist übrigens bis heute
Datterode treu geblieben und war auch im Jahr 2009 wieder hier!

 

Im Protokoll des Jahres 1966 liest man u. a., dass die Lehrkräfte der Volksschule Datterode, der Vorsitzende des Sportvereins sowie alle Mitglieder und Eltern ersucht werden, Jugendliche und Kinder anzuhalten, die Bänke und Anlagen nicht zu beschmutzen oder zu beschädigen. Irgendwie kommt uns dieser Appell auch heutzutage bekannt vor. Die Bemühungen um Fremdenverkehr, namentlich durch vertragliche Bindungen nach Berlin und das Ruhrgebiet, führen zunehmend zum Erfolg. 1966 zählt man bereits 6387 Übernachtungen von 304 Personen, die durchschnittlich 18 Tage im schönen Datterode verweilen. Die ausgebauten Wanderwege mit Ruhebänken werden neben dem Schwimmbad sehr gut angenommen. Aber bereits 1967 stellt der Vorsitzende resigniert fest, dass die Übernachtungen um 400 zurück gegangen seien, da viel mehr Deutsche ihren Urlaub im Ausland verbringen würden.


Die von Malermeister Karl Wolf erstellte Wandertafel, wie sie Jahrzehnte im Dorf zu
finden war (Heidi Roßbach, verheiratete Bachmann und Rita Blaschke, verheiratete Eifler).

1968 kann Konrad Hartmann jedoch berichten, dass 10666 Übernachtungen gezählt wurden. Die Verschönerungsaktionen führen zum Prädikat „staatl. anerkannter Erholungsort“.


Das Prädikat ziert den Werbeprospekt

Aus gesundheitlichen Gründen lehnt Konrad Hartmann die erneute Wahl zum Vorsitzenden ab, so dass erneut Hans Mengel dieses Amt übernimmt. Konrad Hartmann wird jedoch aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.


Konrad Hartmann (+)

1969 resümiert Mengel über den Fortgang vieler Verschönerungsarbeiten, u. a. an der Kirchentreppe, dem Pfarrhaus und dem Kirchplatz. Beklagt wird, dass es immer nur ein kleines Häuflein sei, das die Arbeiten erledige. Mehr Beteiligung sei wünschenswert. Ein Problem, das auch heute noch aktuell ist. Die erste Schutzhütte wird in diesem Jahr errichtet. Festgestellt wird auch, dass die Übernachtungszahlen mit rund 12000 einen neuen Höchstwert erreicht haben. Die Vermischung von gemeindeeigenen und Vereinsarbeiten wird unterstrichen. Es ginge letztlich darum, über den Verein den Aufstieg im Fremdenverkehr zum Wohle der Gemeindekasse zu nutzen, um ungelöste Aufgaben zu bewältigen und das Geschaffene zu erhalten und zu erweitern. Der Mitgliederbestand beträgt 47. Aus Wohnungswechsel- und Gesundheitsgründen heraus stellt Hans Mengel sein Amt zur Verfügung, nimmt jedoch das Amt des 2. Vorsitzenden an, während Bürgermeister Friedrich Beck das Amt des 1. Vorsitzenden annimmt. Die 14-tägig durchgeführten Gästeabende werden fortgesetzt. Ebenso wird das Bemühen im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und um das Prädikat „staatl. anerkannter Luftkurort“ fortgesetzt.


Fronleichnam 1970: Die Schutzhütte oberhalb des Mühlberges ist gerichtet
V. l. n. r.: Peter Sippel, Heinrich Hartmann (sitzenden), Herbert Schmidt, August Neusüß (sitzend, +),
Georg („Schorsche“) Schmidt, Hans („Hansi“) Wolf, Willi Wieditz (sitzend), Jochen Sacharzki,
Ferdinand („Ferdi“) Sacharzki (liegend); auf der Bank: Alfred Müller, Heinrich Hose
und Manfred Tümmel (seinerzeit bei Willi Wieditz wohnhaft)

1970 wird Malermeister Karl Wolf zum Vorsitzenden gewählt. Die Planungen seines Vorgängers will er fortsetzen. So u. a. das Erstellen einer Kneippanlage, eines Kinderspielplatzes, Renovierung des Berliner Turmes und die Beheizung des Schwimmbades. Die Schutzhütte am Sachsenberg wird in Würdigung der Verdienste des inzwischen verstorbenen Ehrenvorsitzenden in „Konrad-Hartmann-Hütte“ umbenannt.


Karl Wolf (+)

In der Folge werden weitere Schutzhütten errichtet. So u. a. die Schutzhütte am Burgweg, die in Anerkennung der Verdienste des ehemaligen Lehrers von Datterode um die Gemeinde „Georg-Lehanka-Hütte“ getauft wird. Die Dachsparren stammen übrigens von der ehemaligen Turnhalle.


Die „Lehanka-Hütte“ im Jahre 2009

1971 resümiert Karl Wolf, dass der Gegenwert der Vereinsarbeiten rund eine ½ Million DM beträgt. Die Arbeiten umfassen u. a. Arbeiten am Ehrenmal, dem Schwimmbad, Aussichtsturm, Einrichten und Erhalten von 17 ausgeschilderten Wanderwegen, Anschaffung von über 100 Büchern, Bau von vier Schutzhütten und eines Parkplatzes für Autowanderer. Auch die Beteiligung am Bau der Friedhofshalle sowie deren Fertigstellung spielen eine Rolle. Er kann zudem von 14675 Gästeübernachtungen berichten.


Unterkunftsverzeichnis der Hochphase des Fremdenverkehrs in den 1970er Jahren

 


Bau der Schützhütte „hinterm Berg“ („Altefeld“)

1973 wird festgestellt, dass der ein oder andere Abend zur Gästebetreuung ausfallen muss. Mit dem Bau des Trimmpfades wird begonnen. Die Übernachtungszahlen steigen auf über 16000.

Im Frühjahr 1974 wird Datterode das Prädikat „staatl. anerkannter Luftkurort“ zuerkannt. Jahrelanges Bemühen hatte sich ausgezahlt.


Meldung der Werra-Rundschau über die Verleihung des begehrten Prädikats

Der Trimmpfad wird in Betrieb genommen. Die Übernachtungszahlen steigern sich erneut auf 17460. Auch damals gibt es Vandalen: Schilder und Ziegeln werden zerstört, Wände beschmiert und Bänke demoliert.


Reste des Trimmpfades im Jahre 2009