Vereinsjahr 2018 sehr erfreulich

Natur, Umwelt und Kultur sind Schwerpunkte

Am Samstag, 9. Februar 2019, trafen sich über erfreuliche 30 Mitglieder des HVD um 15.00 Uhr im Landhotel „Fasanenhof“ Datterode zur Mitgliederversammlung, um das letzte Vereinsjahr zu resümieren. Der Vorsitzende hieß im Besonderen den Ehrenvorsitzenden des HVD, Karl Beck, inzwischen im 94. Lebensjahr, sehr herzlich willkommen. Bürgermeister Klaus Fissmann ließ es sich erneut nicht nehmen und kam im Laufe der Versammlung dazu. Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung mit dem mit dem sibirischen Sprichwort: Nicht wo du die Bäume kennst, wo die Bäume dich kennen, ist deine Heimat.

Der HVD kann für das Vereinsjahr 2018 auf rund 900 Ehrenamtsstunden zurückblicken, die vom „überschaubaren“ aktiven Teil der Mitglieder zum Wohle von Verein und Dorf geleistet wurden. Unzweifelhaft war die Fertigstellung und Einweihung des Schwalbenhauses an der Netrafurt am Anger ein Höhepunkt des Vereinsjahres. Mit beteiligten Handwerkern, geladenen Einwohnern, Gemeindevertretern und den fleißigen Vereinshänden gab es nach der Feierstunde ein gemütliches Beisammensein am und im Museum als Dankeschön für alle Beteiligten dieses Gemeinschaftswerkes von Gemeinde, Ortsbeirat, Förderverein ländliche Strukturen e. V. und HVD. Die Versammlung freut sich auf die ersten Bewohner in dem neuen Angebot für die arg bedrängten geflügelten Saisongäste. Neben diesem beherrschenden Thema prägten diverse kleine und große, manchmal nicht weiter auffallende Aktivitäten die Monate: Neuerliche Renovierungsarbeiten am vereinseigenen Backhaus, im Museum und die Pflege öffentlicher Einrichtungen und Anlagen. Ruhebankerneuerungen am „Gänsekerleweg“ und anderen Wegen, Pflege der Streuobstwiese, der Kirchrainanlage, Fräs- und Mäharbeiten sowie herbstliche Reinigungsarbeiten von Nistkästen sowie Renovierung der Schutzhütte „Uff d’r Schleif’n“ und die jährlich wiederkehrende Reinigung des Ehrenmals - da kamen viele Stunden der kleinen aktiven Gruppe zusammen.

Der HVD-Antrag auf Ausweisung von Naturdenkmalen aus dem Jahre 2015 kann laut aktueller Auskunft des Ersten Kreisbeigeordneten, Dr. Wallmann, erst im Laufe der nächsten Monate beschieden werden. Die personellen Ressourcen der UNSB seien ausgeschöpft – nicht zuletzt wegen der Breitbandausbau- und „Südlink“-Problematiken.

Die inzwischen 13. Jahreslesung – eingebettet in einen Gedenktag „100-Jahr-Ende Erster Weltkrieg“ – mit Bestsellerautorin Lisbeth Exner aus München am 19. November 2018 war erneut ein auch überregional viel beachteter Höhepunkt des Vereins- und Gemeindelebens. Eine Veranstaltung, die aus dem Kulturleben der Region herausragt. „Fundsachen“ und Fotos aus dem Dorf im Rahmen einer Ausstellung und der den Tag abrundende Spielfilm „Merry Christmas“ ließen die Erinnerung an die Opfer auch des Dorfes im Ersten Weltkrieg in den Mittelpunkt treten.

2018 war zweifellos erneut ein erfolgreiches Vereinsjahr, wie die Versammlung befriedigt feststellte. Entsprechend konnte die Mitgliederzahl trotz einiger Todesfälle auf dem Vorjahresstand gehalten werden. Spontan erklärten zwei anwesende Datteröderinnen in der Versammlung ihren Beitritt zum HVD, so dass erneut der  Rekordstand von 180 Mitgliedern erreicht wurde. Eine schöne Anerkennung für die Arbeit des Vereins.

Nach dem Rechenschaftsbericht und dem Bericht der Kassenprüfer wurde der Vorstand – bei eigener Enthaltung - durch die Mitglieder einstimmig entlastet. Für die turnusmäßig ausscheidende Kassenprüferin Brigitte Ritz wurde Dr. Andreas Rümmler von der Versammlung für zwei Jahre einstimmig berufen.

Der Arbeits- und Finanzplan 2019, der von der Mitgliederversammlung ebenfalls einstimmig angenommen wurde, umfasst die Pflege vereinseigener, aber auch öffentlicher Einrichtungen. Die weitere Reduzierung und Pflege von Ruhebänken sowie Renovierung von Schutzhütten werden sichtbare Arbeitsschwerpunkte sein, wie auch in 2019 erneut eine interessante Lesung angeboten werden soll.

Für 50-jährige Vereinstreue wurden Renate Hose und Willy Ronshausen zu Ehrenmitgliedern ernannnt. Für 25-jährige Treue zum Verein erhielten Dr. Andreas Rümmler und Bernhard Lohmüller die silberne Ehrennadel.

Eine besondere Anerkennung erhielten Barbara und Jörg Wieditz. Für ihre langjährige Unterstützung des Nestbaus der Schwalben an ihrem Haus wurden sie mit Urkunde und Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V. unter Beifall der Versammlung ausgezeichnet. Bespielhafte private Initiative für unsere gefährdeten Saisongäste, die der Familie Wieditz in der Vergangenheit bereits auch einen Umweltpreis des Werra-Meißner-Kreises einbrachte. Ebenfalls vom NABU ausgezeichnet werden die Familien Reinhard und Norman Wagner, die leider nicht teilnehmen konnten.

Der Vorsitzende warb in der Folge um die Beteiligung an der online-Abstimmung: „Deutschlands schönste Wanderwege“ - Publikumswahl 2019. Dort ist der P 21 „Point India“ mit im Rennen. Siehe https://wandermagazin.de/wahlstudio

Bürgermeister (BM) Klaus Fissmann erläuterte die aktuellen Entwicklungen in der Gemeinde und stellte sich der sorgenvollen Kritik von Heimatfreundinnen und Heimatfreunde was nach deren Meinung die rücksichtslose Plünderung heimischer Wälder angeht. Wer mit Wanderwegen wirbt und unberührte Landschaft anpreist, muss dies auch bieten – so der Kommentar. Wir hätten auch im Kleinen die Verantwortung, der nächsten Generation eine lebenswerte Umwelt zu bewahren. Kurzfristiges Profitdenken sei völlig an den Realitäten vorbei. So sorgen sich viele Mitglieder auch massiv über den Verlauf der Trasse „Suedlink“ von „Tennet“ (100%-ige deutsche Tochter des holländischen Staatskonzerns) nördlich des Dorfes und durch den Ringgau. Während in Thüringen (dort ist 2019 Landtagswahl) massiver und breiter, politisch unterstützter Widerstand gegen eine Trassenführung formuliert wurde und sich sicht- und hörbar etabliert hat, scheint man im Werra-Meißner-Kreis und in der Kommune erst jetzt erste zaghafte öffentliche und endlich auch politische Versuche zu unternehmen, dieses Dilemma für unsere Heimat abzuwenden. Das „Sankt Florians-Prinzip“ dabei zu bemühen, ist unlauter. Der „Schwächste“ wird die Kröte zu schlucken haben.

Soweit bekannt, hat die Gemeinde Ringgau eine positive Energiebilanz durch Biogas- und Sonne- sowie Wasserkraftanlagen. Deshalb wendet sich der HVD – auch wenn man nicht in der Gemarkung betroffen ist – gegen die Errichtung von Windkraftanlagen an der nördlichen Gemeindegrenze. Der unglaubliche Raubbau an den heimischen Wäldern mit all den Folgen müsse ein Ende finden. Das grüne Herz Deutschlands, zu dem wir uns zählen, blute aus, so die resignierende Feststellung eines Versammlungsteilnehmers. Man brauche einer Maßnahme nur ein Schild „nachhaltige Energiewende“ umzuhängen, dann scheint alles völlig unkritisch umsetzbar zu sein. Und am besten noch von einem Schreibtisch „ganz weit weg“, wie eine Versammlungsteilnehmerin murmelte.

Zu einem neuerlicher Baumschnitt der Linde am ehemaligen „Raiffeisen“ im Hasselbach wird auf das Gutachten aus 2009 mit den definierten notwendigen Pflegemaßnahmen durch eine Fachfirma verwiesen. Andere Optionen werden abgelehnt. Eine undifferenzierte Schlegelung und/oder zu frühes und gar mehrfaches Mähen/Fräsen von Blühstreifen und Wegrainen in der Flur wird in der bisherigen Form abgelehnt. Dem BM wurde die Bestimmungen des Naturschutzes in Erinnerung gerufen, wie ihm auch die Projektierung einer Maßnahme zur „späten Mahd“ (vielfach in Deutschland, Belgien, Österreich zum Schutz der Pflanzen-,  Insekten- und Vogelwelt bereits mit Erfolg praktiziert) empfohlen wird. Es kann nicht sein, dass anderenorts Blühstreifen teils auch mit öffentlichen Mitteln angelegt werden, um dem Insektensterben etwas entgegenzusetzen und hier zu früh und teils mehrfach im Jahr Naturflächen gemäht oder anderweitig malträtiert werden. BM Fissmann sagte zu, dass man sich mit dem HVD im Konkreten abstimmen werde.

Es wurde dem BM mitgegeben, sich auch und erneut um invasive Pflanzen (z. B. jap. Knöterich) zu kümmern und diese zu beseitigen. Dazu gibt es auch eine Anweisung der Unteren Naturschutzbehörde (UNSB) an die Kommune (Wiese beim „Klinggraben“; der Knöterich hat sich schon auf Privatgrund ausgebreitet; zudem auch am Amselweg). Bundes- und Landesnaturschutzgesetzgebung sowie EU-Ratsbeschlüsse geben hier klare Vorgaben. Der HVD geht auch von der Fortsetzung der erfolgreich begonnenen Beseitigung des Springkrautes im Hasselbachtal aus. Dazu brauche man langem Atem, der aber durch zurückkehrende Vielfalt heimischer Arten belohnt würde.

Die nach wie vor rücksichtslose Vermüllung der Landschaft durch Ablagerung von Grünschnitt, aber immer wieder auch Hausmüll (aktuell Weg zum Berliner Turm und Hainberg), die sich trotz der Bemühungen mancher Grundstückseigentümern verfestigt zu haben scheint, ist besondere Aufmerksamkeit der Ordnungsbehörde zu schenken. Querfeldeinradler durch Orchideenbestände, illegales Befahren von der Land- und Forstwirtschaft vorbehaltenen Wegen tun ein Übriges. Ein umfassendes Nach- und Umdenken ist überfällig.

Für die Datteröder Kirche wurden je vier Sendeeinrichtungen an allen vier Seiten des Kirchturms von der Deutschen Telekom durch die Bundesnetzagentur am 18.01.2019 als Standort bescheinigt. Für dieses überraschende Vorhaben gab es keine öffentliche Information soweit es der HVD überblicken kann. Große Verwunderung und Befremden machen sich nicht nur in den Reihen des HVD breit. Der Bürgermeister hatte laut eigener Auskunft „nur gerüchteweise“ davon gehört. Der HVD hat Unterlagen und Informationen bei der Bundesnetzagentur beigezogen und auch dem BM zur Verfügung gestellt. Warum die Deutsche Funkturm GmbH (100%-ige Tochter der Deutschen Telekom) nicht den Umsetzer auf dem Mühlbergkopf nutzen kann, ist nicht bekannt. Angeblich sei der Turm nach unbestätigter Aussage „marode“. Deshalb sei die Deutsche Telekom auf die Kirchengemeinde zugekommen. Der mittelalterliche Kirchturm werde nicht mehr die symbolische Verbindung zum Himmel, sondern die Verbindung von Handy zu Handy sicherstellen, wie sarkastisch angemerkt wurde.

Diese kritischen Problemkreise und mahnenden Befürchtungen, die mit BM Fissmann erörtert wurden, unterstreichen die Alarmstimmung in den Reihen des HVD, wie dessen Vorsitzender resümierte. Nach dem Grußwort des Ehrenvorsitzenden in Form eines sinnigen Mundharmonikaständchens „Kein schöner Land in dieser Zeit“, bei dem kräftig mitgesungen und am Ende reichlich applaudiert wurde, beendete der Vorsitzende seine Ausführungen mit dem Hinweis auf die Vorstandsneuwahlen in 2020, wo er und der stellv. Vorsitzende für eine Neuwahl nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Alle im Verein sind aufgerufen, hier vorzubeugen. Sowohl die gesundheitliche Situation, als auch eine nicht auszuschließende mittelfristige Veränderung der Wohnsituation bedingen zudem rechtzeitige Weichenstellungen für die Zukunft.

Er schloss die Versammlung mit einem Zitat von Molière: Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Impressionen einer außergewöhnlichen Mitgliederversammlung:

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