Ein Nachfahre des Datteröder „Chinakämpfers“

Ehepaar aus Bochum auf Spurensuche

Martin und Dagmar Vogeler aus Bochum recherchieren schon einige Zeit zu den Familiengeschichten. Sie kamen bei der Recherche zu „Vogeler“ nach einem Hinweis der Stadtverwaltung Eschwege - in der Kreisstadt hatte der Großvater mit Familie gelebt, bevor sie der Arbeit wegen in den „Pott“ verzogen – auf Datterode, den Geburtsort des Vaters von Martin.

Nach der Kontaktaufnahme mit dem HVD konnte ihnen innerhalb weniger Stunden schon der Vogeler-Stammbaum bis in das Jahr 1680 aufgeblättert werden.  Es handelte sich bei den Vogelers um eine alteingesessene Familie, deren Urahn Johann Friedrich (infolge der Einwirkung des 30-jährigen Krieges gibt es keine älteren Unterlagen) als Leineweber sein Dasein fristete. Aus der Verbindung mit einer Anna Christina Faber aus Röhrda entstammte eine mit vielen Kindern gesegnete Familienlinie, deren Nachnahme allerdings in Datterode mittlerweile „ausgestorben“ ist. Ein Familiengrab auf dem Friedhof ziert noch der Name.

Der Großvater von Martin Vogeler, der ebenso wie sein Vater mit Vornamen Georg hieß, war das 7. Kind aus der 6. Generation und wurde 1877 geboren. Die Besonderheit zu seiner Person bestand darin, dass er im Dorf als der „Chinakämpfer“ bekannt war, weil er als Soldat zur Niederschlagung des „Boxeraufstandes“ in der seinerzeitigen deutschen Kolonie Tsingtau aufgerufen worden war. Ob er letztlich dort auch tatsächlich zum Einsatz kam, ist nicht bekannt. Fakt jedoch ist, dass sich sein Beiname bis in die Neuzeit bewahrt hat. 

Zur Historie liest man bei Wikipedia u. a.: „Die Bezeichnung Boxer ist eine westliche Bezeichnung und bezieht sich auf die traditionelle Kampfkunstausbildung der ersten Boxer, die sich selbst ‚Verband für Gerechtigkeit und Harmonie‘ oder ‚Fäuste der Gerechtigkeit und Harmonie‘ nannten. … Im Frühjahr und Sommer 1900 führten die Attacken der Boxerbewegung gegen Ausländer und chinesische Christen einen Krieg zwischen China und den ‚Vereinigten acht Staaten‘ (bestehend aus dem Deutschen Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA) herbei, der mit einer Niederlage der Chinesen und dem Abschluss des sogenannten ‚Boxerprotokolls‘ im September 1901 endete. Da die Bezeichnung ‚Boxeraufstand‘ einseitig die imperialistische Perspektive widerspiegelt (die chinesische Regierung wurde von den Boxern ausdrücklich unterstützt), wird auch vom ‚Boxerkrieg‘ gesprochen oder die chinesische Bezeichnung verwendet.“

Dass nun Martin Vogeler als Enkel des „Chinakämpfers“ das Dorf seiner Vorfahren besuchte, ist zweifelsohne eine schöne Wendung, als ob sich ein Kreis schließen würde. Die Aufwartung beim Gänsekerle, der Gang durchs Dorf und über den Friedhof, der Besuch des letzten Tagelöhnerhauses am Kirchrain, da, wo nebenan einst das Haus der Vorfahren stand und die Wege um das Dorf mit der herrlichen Natur beeindruckten die Gäste ebenso, wie sie die Erkundungsfahrten nach Eschwege und durch das Werratal genossen. Dieser Genuss soll bei weiteren Besuchen vertieft werden.

Dass 2008 bereits Anverwandte aus Neuseeland Datterode besuchten, überraschte Martin und Dagmar Vogeler, wussten sie doch bisher nichts von dem Familienzweig.

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